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„Ohne Wohlfahrtsverbände wäre die soziale Infrastruktur von Nordrhein-Westfalen nicht vorstell- und tragbar“
DRK-Podiumsdiskussion: „Daseinsvorsorge, Subsidiarität, Wettbewerb – welche Rolle spielt die Wohlfahrtspflege in der modernen Gesellschaft?“
Borken - Einer der Themenschwerpunkte anlässlich der Eröffnung des neuen Rotkreuz-Zentrums des DRK-Kreisverbandes Borken war ein Vortrag mit anschließender Podiumsdiskussion. Jörg Freese, Beigeordneter des Deutschen Landkreistages (Berlin), führte ins Thema ein: „Daseinsvorsorge, Subsidiarität, Wettbewerb – welche Rolle spielt die Wohlfahrtspflege in der modernen Gesellschaft?“ Zuvor waren die Räumlichkeiten von Vertretern der katholischen und evangelischen Kirche eingeweiht worden.
Am hochkarätig besetzten Podium diskutierten unter der Moderation von Dr. Berthold Becher, Bank für Sozialwirtschaft, Köln: NRW-Sozialminister Karl Laumann (CDU), Professor Dr. Manfred Mohr vom DRK-Generalsekretariat, Attila Nagy von der Unternehmensberatung Rosenbaum & Nagy, Jörg Freese als Vertreter des Deutschen Landkreistages sowie Bernhard Lensing, vormaliger DRK-Kreisgeschäftsführer.
Laumann unterstrich: „Die soziale Infrastruktur des Landes Nordrhein-Westfalen wäre ohne Wohlfahrtsverbände nicht vorstell- und tragbar.“ Einige Verbände im Land allerdings, nahm Laumann kein Blatt vor den Mund, hätten ihre Mitarbeiter nicht mit sozialverträglichen Arbeitsverträgen ausgestattet, und sie würden Leiharbeiter beschäftigen. In diesen Fällen würden sonst berechtigte Privilegien im Steuer- und Förderbereich ausgenutzt. Das mache sein Ministerium nicht mit.
Es müsse sehr genau hingeschaut werden, was im Sozialbereich machbar sei und was nicht. Es müsse nicht jede Beratungsstelle auf Gedeih und Verderb erhalten, sondern Synergieeffekte genutzt werden. Seit Regierungsantritt vor vier Jahren habe Ministerium 20 Prozent des Haushalts eingespart. „Und wir leben ganz gut damit.“
Der ehemalige DRK-Kreisgeschäftsführer Bernhard Lensing bekräftigte, dass die öffentliche Hand die Arbeit der Wohlfahrtsverbände manchmal erschwere. Die Mitarbeiter sollten dennoch selbstbewusst ans Werk gehen, weil sie Gutes täten: „Wir dürfen nicht das graue Mäuschen spielen.“
Dies bestärkte Jörg Freese am Podium: „Drei Viertel der Ausgaben einer Kreisverwaltung haben einen sozialen Bezug. Wir brauchen die Wohlfahrtsverbände als Partner.“
Soziale Verbände müssten sich dem Wettbewerb stellen, um überstehen zu können, erklärte Attila Nagy, dessen Firma auch Wohlfahrtsverbände berät. Ihr „Credo sollte sein, sich so zu organisieren, wie es private Anbieter tun.“ Einige seien wirtschaftlich gut aufgestellt, andere nicht: Die Frage der tariflichen Bezahlung könne für einige Träger auch zur Existenzfrage werden.
Professor Dr. Manfred Mohr, im DRK-Generalsekretariat unter anderem für Europafragen zuständig, erklärte, der europäische Gedanke müsse noch viel stärker in die Arbeit der Wohlfahrtsverbände einfließen. Und man müsse hinterfragen dürfen, ob es gerecht sei, dass Banken Milliardengelder erhielten, der soziale Markt aber weitgehend leer ausginge. Deutschland sei Richtung Europa gut aufgestellt, das deutsche Steuerrecht europafest. Eine neue Kampagne („Buy Social“, kaufe sozial) sei in Vorbereitung. Mohr: „Europa ist wichtiger, als die meisten denken.“

DRK-Podiumsdiskussion während der Eröffnungsveranstaltung zum neuen Rotkreuz-Zentrum an der Röntgenstraße 6, Borken, von links:
Professor Dr. Manfred Mohr, Jörg Freese, Bernhard Lensing, Dr. Berthold Becher, Sozialminister Karl-Josef Laumann, Attila Nagy
Fotos: DRK-Kreisverband
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